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Ein Blick in die Zukunft der deutschen Heeresflieger

17.10.2026

Über den gesamten September hinweg fand beim Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit in Celle die Übung „Grüner Falke 2026“ statt. Dabei arbeiteten die verschiedenen Verbände der Heeresfliegertruppe mit ihren unterschiedlichen Hubschraubermustern auf ein gemeinsames Ziel hin: die NATO-Zertifizierung für die Bereitstellung der Aviation Brigade im NATO Force Model. Zum Abschluss der Übung wurde am 30. September eine Leistungsschau der Heeresflieger organisiert, die neben einem Einblick in die aktuellen Fähigkeiten der Truppe auch einen Ausblick auf deren zukünftige Ausrichtung bot.

Was ist die Aviation Brigade?

Die Aviation Brigade NATO Force Model 2025–2027 ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Beitrags zur NATO-Kräfteplanung. Ende 2024 kündigte Deutschland an, dem Bündnis für den Zeitraum von 2025 bis 2027 einen luftbeweglichen Verband aus Hubschrauberkräften des Heeres und der Luftwaffe bereitzustellen. Dieser soll insbesondere zur Verstärkung der NATO-Ostflanke beitragen und im Bedarfsfall kurzfristig für entsprechende Einsätze zur Verfügung stehen.

Die Aviation Brigade ist dabei nicht als eigenständiger, dauerhaft neu aufgestellter Großverband zu verstehen. Vielmehr werden bestehende Verbände und deren Fähigkeiten für den NATO-Auftrag zusammengeführt. Zu den wesentlichen Truppenstellern zählen das Kommando Hubschrauber mit den Transporthubschrauberregimentern 10 und 30 sowie dem Kampfhubschrauberregiment 36. Ergänzt werden die fliegenden Kräfte durch das Hubschraubergeschwader 64 (HSG 64) der Luftwaffe und weitere unterstützende Verbände, unter anderem aus dem Bereich der Informationstechnik.

Durch die Zusammenführung unterschiedlicher Fähigkeiten soll ein leistungsfähiger Verband entstehen, der ein breites Aufgabenspektrum abdecken kann. Dazu gehören der Transport von Personal und Material, die Unterstützung von Bodentruppen aus der Luft sowie die luftbewegliche Verlegung von Kräften. Auch der Verwundetentransport und weitere Aufgaben im militärischen Einsatzspektrum spielen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist dabei nicht allein die Leistungsfähigkeit der einzelnen Hubschrauber, sondern vor allem das abgestimmte Zusammenwirken der verschiedenen Verbände und ihrer Unterstützungskräfte.

Die Aviation Brigade ist dem Multinationalen Korps Nordost zugeordnet. Dieses ist ein multinationaler NATO-Großverband mit einer besonderen Bedeutung für die Verteidigung der östlichen Bündnisflanke. Die Bereitstellung der Aviation Brigade soll dazu beitragen, die Reaktionsfähigkeit der NATO zu verbessern und luftbewegliche Kräfte für mögliche Einsätze in diesem Raum verfügbar zu machen.

Die Aufstellung begann Anfang 2025. Ziel ist es, die vorgesehenen Kräfte auf einen hohen Bereitschaftsstand zu bringen und ihre Einsatzfähigkeit nach den Vorgaben der NATO nachzuweisen. Die Übung „Grüner Falke 2026“ bildete hierfür einen wichtigen Meilenstein. Im Rahmen der mehrwöchigen Übung trainierten die beteiligten Verbände das Zusammenwirken ihrer Kräfte und stellten ihre Fähigkeiten unter Beweis. Die abschließende NATO-Zertifizierung diente dazu, den Ausbildungsstand und die Einsatzbereitschaft des vorgesehenen Verbandes zu überprüfen.

Archivbild: Ein Unterstützungshubschrauber Tiger des KHR 36 "Kurhessen" aus Fritzlar.

Die Leistungsschau in Celle

Zum Abschluss der Zertifizierungsübung organisierte das Kommando Hubschrauber eine Leistungsschau, bei der sowohl geladenen Gästen aus Politik und Militär als auch Vertretern der Presse ein Überblick über den aktuellen Stand und die zukünftige Ausrichtung der Heeresflieger gegeben wurde. Dabei wurde das Leistungsspektrum der Truppe nicht nur im Rahmen einer fliegerischen Vorführung mit 28 Hubschraubern, sondern auch an verschiedenen Informations- und Ausstellungsstationen präsentiert.

Erstmals im Rahmen einer solchen Leistungsschau wurde dabei auch der neue leichte Kampfhubschrauber H145M vorgestellt, der künftig eine wichtige Rolle bei der unmittelbaren Kampfunterstützung übernehmen soll. Darüber hinaus wurde der Einsatz unterschiedlicher Drohnensysteme thematisiert, die in Zukunft eine zunehmend wichtige Rolle innerhalb der Heeresfliegertruppe einnehmen dürften.

Der Kommandeur des Kommandos Hubschrauber, Brigadegeneral Dr. Volker Bauersachs, betonte in seinem Statement insbesondere, dass die Leistungsschau lediglich eine Momentaufnahme darstelle und sich die Fähigkeiten der Heeresflieger kontinuierlich weiterentwickelten. „Hinter uns liegt eine Menge Arbeit, aber diese Arbeit ist noch lange nicht vorüber, denn der Weg in die Zukunft hat für uns erst begonnen“, so der General.

Zudem hob Bauersachs hervor, dass die NATO-Zertifizierung im Rahmen der Übung mit der Bewertung „Excellent“ abgeschlossen werden konnte. Damit haben die beteiligten Verbände ihre Einsatzbereitschaft für die vorgesehenen Aufgaben im Rahmen des NATO Force Model nachgewiesen.

Zwei NH90 des THR 10 aus Fassberg während der Leistungsschau

Der Weg in die Zukunft

Während sich der NH90 sowohl im Lufttransport als auch in der CSAR-Rolle mittlerweile etabliert hat und auch in absehbarer Zukunft weiter genutzt werden soll, stehen in anderen Bereichen umfangreiche Neuerungen an. Dazu zählen vor allem der zunehmende Einsatz von Drohnen und die Weiterentwicklung digitaler Fähigkeiten, die künftig einen immer größeren Stellenwert innerhalb der Heeresfliegertruppe einnehmen sollen. Unbemannte Systeme können unter anderem zur Aufklärung beitragen und bemannte Luftfahrzeuge ergänzen. Die zunehmende Vernetzung soll es ermöglichen, Informationen schneller auszutauschen, Einsätze besser zu koordinieren und flexibler auf Veränderungen im Gefechtsfeld zu reagieren.

Auch bei der unmittelbaren Kampfunterstützung stehen Veränderungen bevor. Der leichte Kampfhubschrauber H145M soll künftig einen wesentlichen Beitrag zur Feuerunterstützung aus der Luft leisten.Der H145M kann unter anderem mit gelenkten und ungelenkten 70-mm-Raketen, Panzerabwehrlenkflugkörpern des Typs SPIKE ER2 sowie mit 12,7-mm-Maschinengewehrbehältern oder 20-mm-Maschinenkanonen ausgerüstet werden. Perspektivisch sollen außerdem Flugabwehrlenkflugkörper des Typs Stinger integriert werden können. Diese würden es ermöglichen, gegnerische Luftfahrzeuge zu bekämpfen und die eigenen Kräfte insbesondere gegen Bedrohungen durch gegnerische Hubschrauber zu schützen.

Der bisherige Kampfhubschrauber Tiger soll nach derzeitiger Planung bis 2035 ausgemustert werden. Damit steht den Heeresfliegern in den kommenden Jahren ein grundlegender Wechsel bei der unmittelbaren Kampfunterstützung bevor. Der H145M wird dabei nicht einfach sämtliche Fähigkeiten des Tigers übernehmen, sondern eine veränderte Ausrichtung der luftgestützten Unterstützung widerspiegeln. Wie sich das zukünftige Fähigkeitsspektrum im Detail entwickeln wird, hängt auch davon ab, wie neue Bewaffnung, digitale Systeme und unbemannte Luftfahrzeuge in das Gesamtkonzept integriert werden.

Ein Airbus H145M LKH, der neue Unterstützungshubschrauber der Heeresflieger.

Fazit: Zwischen bewährten Fähigkeiten und neuen Konzepten

Die Leistungsschau in Celle machte deutlich, dass sich die deutschen Heeresflieger in einer Phase grundlegender Veränderungen befinden. Während bewährte Hubschraubermuster weiterhin wichtige Aufgaben übernehmen, werden neue Systeme eingeführt und zusätzliche Fähigkeiten aufgebaut. Dabei geht es nicht allein um die Modernisierung des vorhandenen Luftfahrzeugbestands, sondern auch um neue Formen der Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Systemen sowie um eine stärkere digitale Vernetzung.

Mit der erfolgreichen NATO-Zertifizierung der Aviation Brigade wurde zugleich ein wichtiger Schritt für den deutschen Beitrag zur Bündnisverteidigung erreicht. Die Übung „Grüner Falke 2026“ zeigte, wie wichtig das abgestimmte Zusammenwirken unterschiedlicher Verbände ist, um die geforderten Fähigkeiten bereitzustellen.

Der Blick in die Zukunft der Heeresflieger ist damit vor allem von zwei Entwicklungen geprägt: der kurzfristigen Sicherstellung der Einsatzbereitschaft für die NATO und der langfristigen Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten. Die Leistungsschau in Celle bot einen Einblick in beide Bereiche – und machte deutlich, dass der Wandel der Heeresfliegertruppe noch längst nicht abgeschlossen ist.

Text: Marc Rosenkranz
Bilder: Marc Rosenkranz

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