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Ein Jahrhundert Svenska flygvapnet – die schwedischen Luftstreitkräfte feiern 100 jähriges Jubiläum

02.10.2026

Am 1. Juli 1926 wurde aus den Fliegereinheiten der Marine und des Heeres die schwedischen Luftstreitkräfte gegründet. 100 Jahre später feiern die Luftstreitkräfte nun ihr Jubiläum, unter anderem mit einer großen Airshow mit 230.000 Besuchern auf ihrer Hubschrauberbasis in Malmen bei Linköping.

Die Organisation der Airshow war, wie erwartet, gut nur die Displayachse für die Flying Displays war in Bezug auf Licht suboptimal positioniert. Die Runwayausrichtung der Basis ist nahezu Nord-Süd, sodass das Licht auf dem Airshowgelände erst am Nachmittag gut wurde, lediglich die Displayline war 90 Grad zur Runway versetzt und komplett südlich des Geländes, sodass vom Besucherbereich ganztägig Gegenlichtbedingungen herrschten. Helikoptervorführungen sowie Displays die weniger Platz benötigten wie beispielsweise einige kleinere historischen Luftfahrzeuge wurden über der Runway durchgeführt. Auch wenn sich im Laufe der Airshow ein bis zwei Stellen herausstellten, an denen man von außen etwas machen konnte, ist beim spotten von außen in Schweden (auch während der Airshow) Vorsicht geboten.

Trotz einiger internationalen Teilnehmern, wie beispielsweise dem britischen Typhoon Solo Display, der Frecce Tricolori oder auch einigen Gästen im Static Display, waren die interessantesten Teilnehmer sicher die Schweden selbst. Sowohl von den aktuellen als auch den historischen Luftfahrzeugmustern war einiges zu sehen. Von der Ö-1 Tummelisa, einem Trainer aus der Anfangszeit der schwedischen Militärfliegerei, bis zu aktuellen Saab Gripen E waren fast alle Typen, die die Luftstreitkräfte geprägt haben am Himmel über Malmen zu erleben. Auch die Hubschrauber durften nicht zu kurz kommen und wurden, von Alouette II bis zur aktuellen Sikorsky UH-60M Blackhawk, in einer historischen Helikopterformation zusammengefasst.

Wir möchten euch einige dieser historischen Flugzeuge und Hubschrauber etwas näherbringen und ein wenig auf die Geschichte der jeweiligen Maschinen eingehen.

Ö-1 Tummelisa

Die Ö-1 Tummelisa war ein schwedisches Schulungsflugzeug aus den 1920er Jahren, von dem 26 Stück gebaut wurden. Es wurde bis 1935 bei der schwedischen Luftwaffe eingesetzt. Bei dem vorgeführten Exemplar handelte es sich um einen Nachbau aus dem Jahre 1993. Die einzige überlebende „originale“ Ö-1 war bis 1962 flugtauglich und ist heute im angrenzenden Luftwaffenmuseum zu besichtigen.

Saab B-17B

Die Saab B-17B war ein Bomber aus der Zeit des 2. Weltkriegs, von dem 326 Stück gebaut wurden. Sie flogen von 1941 bis 1948 bei den schwedischen Luftstreitkräften, anschließend wurden die Maschinen bei zivilen Betreibern als Zielschleppern genutzt sowie einige Exemplare gebraucht nach Äthiopien abgegeben, wo die Saab B17 noch bis 1977 genutzt wurde. Vorgeführt wurde das weltweit letzte flugfähige Exemplar (17239/SE-BYH), betrieben vom SwAFHF.

DeHavilland Vampire

Der erste Jet im Inventar der SwAF war die DeHavilland Vampire, die 1946 übernommen wurde. Auch wenn sie als Kampfflugzeug nur als Übergangslösung angesehen werden konnte, war sie als Trainer noch bis in die späten 1960er im Einsatz. Bei der vorgeführten Maschine handelte es sich um SE-DXX, die 1953 hergestellt wurde und 1991 von den Schweizer Luftstreitkräften nach Schweden abgegeben wurde, wo sie zunächst bei der Flygexpo in Västeras eingelagert wurde, bis sie Mitte der 1990er-Jahre zivil zugelassen wurde. Am zweiten Tag der Airshow verlor die Maschine beim Startlauf ihr Canopy, der Start wurde abgebrochen. Die Maschine wurde geringfügig beschädigt, niemand wurde verletzt.

Saab J-29 „Tunnan“ 

Die Saab J-29 „Tunnan“ (übersetzt: Fass) war das erste europäische Kampfflugzeug mit gepfeilten Tragflächen. Der Erstflug fand 1948 statt und ab 1951 wurde die Maschine bei den Luftstreitkräften eingeführt. Anfang der 1960er-Jahre wurden J-29 Tunnan im Rahmen einer UN-Mission im Kongo eingesetzt und waren damit die ersten Jets der schwedischen Luftstreitkräfte in einem Auslandseinsatz. Bei der vorgeführten Tunnan handelte es sich um das weltweit einzige fliegende Exemplar. Die SE-DXB wurde 1955 gebaut und in 13 Jahren im aktiven Dienst 1195 Flugstunden gesammelt. 1968 wurde die Maschine an das Flygvapenmuseet in Malsmlätt überführt und dort 23 Jahre eingelagert bevor sie in den 1990er Jahren von Freiwilligen flugfähig restauriert wurde.

Saab J 32 „Lansen"

Die Saab J 32 „Lansen“ (übersetzt: Lanze) wurde als Jagd- und Allwetterflugzeug für die schwedischen Luftstreitkräfte entwickelt. Der Erstflug fand 1952 statt und bereits 1953 durchbrach die Lansen als erstes schwedisches Flugzeug die Schallmauer. Ab 1955 wurde die Maschine bei den Luftstreitkräften eingeführt. Neben der Angriffsvariante A 32A entstand mit der J 32B eine leistungsstärkere Jagdversion, von der 120 Exemplare gebaut wurden.

Bei den vorgeführten Lansen handelte es sich um die J 32B SE-RMD und SE-RMF. Die SE-RMD wurde 1959 gebaut und trug während ihrer Dienstzeit unter anderem die Kennungen 42, 52 und 23. Die Maschine wurde später für die Entnahme von Luftproben aus der Atmosphäre eingesetzt und konnte hierfür mit speziellen Pods zur Messung radioaktiver Stoffe ausgerüstet werden. Die SE-RMF wurde 1960 gebaut und ist mit rund 1.900 Flugstunden das Exemplar mit der geringsten Flugzeit der drei heute von der Swedish Air Force Historic Flight betriebenen Lansen.

Saab 37 „Viggen“

Die Saab 37 „Viggen“ (übersetzt: „Blitz“) wurde als Nachfolger der Saab 32 Lansen und Saab 35 Draken für die schwedischen Luftstreitkräfte entwickelt. Der Erstflug des Prototyps fand 1967 statt, ab 1971 wurde die Viggen eingeführt. Durch ihre ungewöhnliche Konstruktion mit Deltaflügel und Canards konnte die Maschine sowohl mit hohen Geschwindigkeiten als auch von kurzen Pisten aus eingesetzt werden. Insgesamt wurden 329 Viggen gebaut, die bis 2005 bei den schwedischen Luftstreitkräften im Einsatz standen.

Bei den vorgeführten Maschinen handelte es sich um die AJS 37 SE-DXN und die zweisitzige SK 37E SE-DXO. Die SE-DXN wurde 1973 gebaut und ursprünglich als AJ 37 ausgeliefert. Im Rahmen eines Modernisierungsprogramms wurde sie in den 1990er-Jahren zur AJS 37 umgebaut und erhielt dadurch unter anderem Mehrzweckfähigkeiten für den Einsatz als Angriffs-, Jagd- und Aufklärungsflugzeug. Die Maschine wurde 2007 an die Swedish Air Force Historic Flight abgegeben und ist seit 2012 nach einer Restaurierung wieder flugfähig.

Die SE-DXO wurde ebenfalls 1973 gebaut und als zweisitzige SK 37 zur Schulung von Viggen-Besatzungen eingesetzt. Ab 2000 wurde sie zur SK 37E umgebaut und diente anschließend zur Ausbildung im Bereich der elektronischen Kampfführung. Im Gegensatz zur einsitzigen Viggen besitzt die SK 37 zwei Cockpits und kein Radar.

Saab 35 „Draken“

Die Saab 35 „Draken“ (übersetzt: Drache) wurde als Abfangjäger für die schwedischen Luftstreitkräfte entwickelt. Der Erstflug fand 1955 statt, ab 1959 wurde die Maschine eingeführt. Besonders auffällig war die ungewöhnliche Deltakonfiguration mit einem großen und einem kleineren Deltaflügel, die sowohl hohe Geschwindigkeiten als auch kurze Start- und Landestrecken ermöglichte. Insgesamt wurden 612 Draken in verschiedenen Varianten gebaut, die neben Schweden auch in Dänemark, Finnland und Österreich eingesetzt wurden.

Bei den vorgeführten Maschinen handelte es sich um die zweisitzige Schulversion Sk 35C SE-DXP und die einsitzige J 35J SE-DXR. Die SE-DXP wurde 1962 als J 35A gebaut und anschließend zur Sk 35C umgebaut. Bei dieser Version wurden unter anderem Radar und Bewaffnung entfernt, wodurch die Maschine leichter wurde. 1997 wurde sie aus dem aktiven Dienst genommen und später von der Swedish Air Force Historic Flight wieder flugfähig restauriert.

Die SE-DXR wurde 1969 als J 35F gebaut und später zur modernisierten J 35J umgerüstet. Diese letzte schwedische Draken-Jagdversion erhielt unter anderem ein verbessertes Radar, modernisierte Avionik und zusätzliche Waffenaufhängungen. Die Maschine wurde 1998 mit dem Ende des schwedischen Draken-Einsatzes außer Dienst gestellt und ist heute als eines der wenigen noch fliegenden Exemplare bei der Swedish Air Force Historic Flight zu sehen.

Saab 105 / Sk 60

Die Saab 105 wurde Anfang der 1960er-Jahre als zweistrahliges Schulflugzeug entwickelt. Der Erstflug fand 1963 statt, ab 1967 wurde die Maschine bei den schwedischen Luftstreitkräften unter der Bezeichnung Sk 60 eingeführt. Neben der Ausbildung konnte das Flugzeug auch für leichte Angriffs- und Aufklärungsaufgaben eingesetzt werden. Insgesamt wurden 150 Maschinen für Schweden gebaut, die bis 2024 im aktiven Dienst standen.

Bei den vorgeführten Maschinen handelte es sich um die beiden Sk 60A SE-RPV und SE-RPY. Die SE-RPV wurde 1967 als Maschine 60062 gebaut und gehörte damit zu den frühen Exemplaren des Typs. Nach dem Ende des militärischen Einsatzes wurde sie 2026 auf die zivile Registrierung SE-RPV zugelassen und wird heute von der Swedish Air Force Historic Flight betrieben.

Die SE-RPY wurde 1968 als Maschine 60105 gebaut. Sie erhielt später eine besondere Saab-Lackierung und blieb auch nach ihrer Ausmusterung als Ausstellungs- und Präsentationsmaschine erhalten. Seit 2026 wird sie ebenfalls von der Swedish Air Force Historic Flight betrieben und wieder bei Flugveranstaltungen präsentiert. Beide Maschinen repräsentieren damit die lange Geschichte der Sk 60 als Schulflugzeug der schwedischen Luftstreitkräfte.

Alouette II / HKp 2

Die Sud Aviation SE 3130 Alouette II wurde Ende der 1950er-Jahre als leichter Mehrzweckhubschrauber entwickelt und war der erste in Serie gefertigte Hubschrauber mit Gasturbinenantrieb. In Schweden erhielt die Maschine die Bezeichnung Hkp 2 und wurde ab 1958 bei Marine, Heer und Luftwaffe eingesetzt. Die schwedischen Streitkräfte nutzten die Alouette II unter anderem für Verbindungs-, Transport-, Aufklärungs- und Rettungsaufgaben. Insgesamt wurden 29 Maschinen beschafft, die bis Ende der 1980er-Jahre im Dienst standen.
Die vorgeführte LN-OAA lässt sich relativ schlecht zurückverfolgen, einigen Quellen zufolge wurde sie aus Teilen verschiedener Alouette II neu zusammengesetzt. Anders als viele vorgeführte Maschinen trägt die LN-OAA eine deutsche Lackierung, repräsentierte aber dennoch die schwedische Hkp 2 bei der Helikopterformation.

Bell UH-1B / Hkp3

Die Bell UH-1 „Iroquois“, besser bekannt als „Huey“, wurde ab Mitte der 1950er-Jahre für die US Army entwickelt und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Hubschrauber der Militärgeschichte. Schweden beschaffte ab 1962 insgesamt zwölf Maschinen der Variante UH-1B und setzte sie unter der Bezeichnung Hkp 3 vor allem für Transport-, Verbindungs- und Rettungsaufgaben ein. Später kamen weitere UH-1H hinzu, die unter anderem für die Ausbildung und den Transport eingesetzt wurden. Die letzten schwedischen Hkp 3 wurden erst 2001 außer Dienst gestellt.

Bei der vorgeführten Maschine handelte es sich um die Bell UH-1E LN-OUS. Die Maschine mit der Herstellerseriennummer 6161 wurde 1967 gebaut und erhielt beim US Marine Corps die Bureau Number 154777. Die UH-1E war speziell für das Marine Corps entwickelt worden und basierte auf den Varianten UH-1B und UH-1C. LN-OUS wurde später zivil zugelassen. Heute gehört die Maschine (wie die ehemalige 73+54) der deutschen Firma CHS und trägt eigentlich weiter die historisch korrekten Markings des USMC. Lediglich für die Airshow in Schweden wurde die Maschine kurzerhand mit schwedischen Markings versehen. Wie uns der Betreiber bestätigte, wird die Maschine für die kommende Airshowsaison neu lackiert und wieder als USMC-Hubschrauber präsentiert.

Schweizer 300 / HKp 5

Die Schweizer 300C wurde als leichter Mehrzweck- und Schulungshubschrauber entwickelt und geht ursprünglich auf die Hughes 269 zurück. In Schweden wurde die Maschine unter der Bezeichnung Hkp 5 eingesetzt. Die schwedischen Streitkräfte nutzten den Typ unter anderem für die Grundausbildung von Hubschrauberbesatzungen, leichte Transportaufgaben, Aufklärung und Artilleriebeobachtung. Zwischen 1980 und 1987 wurden insgesamt 26 Hughes 269C und Schweizer 300C an das schwedische Heer geliefert. Der Hkp 5B blieb bis 2002 im Einsatz.

Bei den vorgeführten Maschinen handelte es sich um die beiden Schweizer 300C „Kalle 45“ und „Kalle 46“. Beide wurden 1987 gebaut und waren damit die beiden letzten Schweizer 300C, die an das schwedische Heer ausgeliefert wurden. Sie trugen die militärischen Seriennummern 1269 und 1270 und blieben bis 2002 im operativen Dienst. Nach ihrer Ausmusterung wurden beide Maschinen vom Flygvapenmuseum übernommen und wieder flugfähig gemacht. Heute tragen „Kalle 45“ und „Kalle 46“ die zivilen Registrierungen SE-JIR und SE-JIS und werden von Flygvapenmuseum Helikopter bei Flugveranstaltungen präsentiert.

Bell 206 Jet Ranger / HKp 6

Der Bell 206 JetRanger wurde als leichter Mehrzweckhubschrauber entwickelt und fand weltweit sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich Verwendung. In Schweden wurde die in Lizenz von Agusta gefertigte Version als Hkp 6 eingesetzt. Die schwedische Marine erhielt ab 1970 zunächst zehn Hkp 6B, die neben leichten Transport- und Ausbildungsaufgaben auch für die U-Boot-Jagd eingesetzt werden konnten. Hierfür konnten die Hubschrauber unter anderem mit Torpedos und Wasserbomben ausgerüstet werden.

Bei den vorgeführten Maschinen handelte es sich um die beiden Hkp 6B SE-JVB und SE-HGX. Die SE-JVB wurde 1970 als 06048 gebaut und gehörte zu den ersten zehn für die schwedische Marine beschafften JetRanger. Nach ihrer Ausmusterung 2003 wurde sie eingelagert und 2012 als SE-JVB zivil zugelassen.

Die SE-HGX trägt die ehemalige militärische Kennung 06054. Sie wurde bereits 1977 gebaut und zunächst in Norwegen zivil eingesetzt, bevor sie 1991 als Ersatz für eine verlorene Hkp 6B zur schwedischen Marine kam. Besonders auffällig ist ihre vierfarbige Tarnlackierung, die sie als einzige Hkp 6B der schwedischen Marine trug. Beide Maschinen werden heute als flugfähige historische Hkp 6 präsentiert.

Das 100-jährige Jubiläum des Svenska flygvapnet bot damit nicht nur einen Blick auf die heutige schwedische Militärluftfahrt, sondern vor allem auf deren Entwicklung über ein ganzes Jahrhundert. Besonders beeindruckend war dabei, wie viele der historischen Muster noch heute flugfähig erhalten sind und bei der Airshow in Malmen gemeinsam mit aktuellen Luftfahrzeugen zu sehen waren. Die Kombination aus Geschichte und aktiver Fliegerei machte die Veranstaltung zu einem besonderen Einblick in die Vergangenheit und Gegenwart der schwedischen Luftstreitkräfte.

Text: Marc Rosenkranz
Bilder: Marc Rosenkranz

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