Spotting für Beginner –
Ein Leitfaden für den spezielleren Einstieg in die Fotografie


„Wer gute Bilder machen will, braucht teure Ausrüstung“

„Mit guten Kameras mache ich automatisch gute Bilder“

„Mit dem Automatikmodus bekomme ich immer die besten Ergebnisse, ohne dass ich mich um etwas kümmern muss“

„Je mehr Brennweite desto besser“

Das sind ein paar beispielhafte Aussagen, die einem immer wieder begegnen. Oft nicht ausgesprochen, doch offensichtlich im Verhalten anderer Personen bemerkbar. Wir wollen uns an dieser Stelle zunächst einmal mit einigen dieser Ansichten beschäftigen, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen.

Das „Märchen“ mit der teuren Ausrüstung:

Es stimmt zumindest, dass eine gute Ausrüstung in der Regel mehr kreative Möglichkeiten bietet, gepaart mit einer besseren Qualität der Bilder. Das setzt allerdings ein tiefergehendes Verständnis für die Fotografie voraus, denn für Anfänger sind die Möglichkeiten professioneller Kameras eher eine Last und tragen vielfach dazu bei, dass die fotografischen Ergebnisse weit hinter den tatsächlichen Möglichkeiten zurückbleiben. Anfänger sind zunächst mit den für sie vorgesehenen Einsteigermodellen am besten beraten. Sie sind auf die für einen Einstieg sinnvollen Features begrenzt, geben dem Neuling aber genug Spielraum, um sich nach eigenem Ermessen mit der Fotografie zu beschäftigen. Dazu gehört zum Beispiel das anfängliche Verständnis über das Verhältnis von Blende, Verschlusszeit und ISO (Empfindlichkeit). Da diese Verhältnisse gerade beim Spotting eine entscheidende Rolle spielen, gehen wir später noch ganz detailliert darauf ein.

Generell ist die Wahl der richtigen Ausrüstung, genau wie in anderen Bereichen der Fotografie, auch hier essentiell. Spotting verbindet automatisch jeder mit Teleobjektiven. Überall an Flughafenzäunen sieht man die Menschen, auf Leitern stehend, mit großen Objektiven an der Kamera. Lange Brennweiten sind hier das Mittel der Wahl, da die begehrten Ziele sich in dem meisten Fällen in größerer Entfernung am Boden oder in der Luft befinden.  Weitwinkelobjektive kommen hier nur in Ausnahmefällen zum Einsatz, sollte die Distanz und die Größe eines Flugzeugs einmal nicht den Einsatz von Teleobjektiven erlauben. Dennoch unterliegen manche hier dem Trugschluss, dass mehr Brennweite grundsätzlich besser ist. Schließlich kann man damit die entfernten Flugzeuge noch viel größer ins Bild holen. Aber die Physik gibt uns vor, dass eine sehr große Brennweite in der Fotografie nur noch mit absolut kompromissloser Qualität der Gläser und anderer Bauteile sowie durch eine enorme Größe des Tubus erreicht werden kann. Und hier kommen wir zum Problem: Qualitativ gute Objektive mit extremer Brennweite sind nicht nur sehr teuer, sondern werden auch schnell sehr unhandlich. Und dementsprechend ist die Nachfrage so gering, dass es sich für keinen Hersteller lohnt, diese Produkte für den normalen Fotografiemarkt zu entwickeln. Diese Entwicklungen sind dann meist der Forschung oder dem Militär zugedacht. Nun werden manche sagen „aber es gibt doch Objektive mit 1000mm Brennweite und mehr, die ich für meine Kamera kaufen kann“. Und das stimmt. Aber hier kommen wir zurück zum Punkt „Qualität“. Wir wollen nicht pauschal urteilen, denn es gibt immer Fotografen, die auch mit Ausrüstung von niedriger Qualität passable Ergebnisse erzielen. Aber man muss sich an der Stelle einfach vor Augen führen, dass man nach dem Kauf zu einem Zehntel des Preises sicherlich nicht die doppelte Performance in der Hand hält. Im Prinzip zählt auch hier noch der Grundsatz „you get what you pay for“ – jeder muss für sich die Anforderungen abstecken, die seine Ausrüstung erfüllen soll. Und daraus ergibt sich ein Preisrahmen, mit dem man kalkulieren sollte, um den Anforderungen auch gerecht werden zu können.

Wir denken fast jeder Spotter hat diesen Weg hinter sich, von vorsichtigen Anfängen mit einer Einsteigerkamera bis hin zu immer höheren Ansprüchen an sich selbst und damit verbundenen kostspieligen Neuanschaffungen.

Diese können durchaus divers sein, aber aufmerksame Beobachter bemerken, dass die Auswahl der Ausrüstung meist einem gewissen Konsens folgt. Als Einsteiger sollte man sich allerdings nicht davon abschrecken lassen, wenn die „Profis“ drumherum mit ihrer teuren Ausrüstung herumwedeln. Und auch die Fragen „kannst du die Kamera empfehlen?“ oder „macht die Kamera gute Bilder?“ sollten am Ende nicht allein entscheidend sein für einen Kauf.

Beim Fotografieren hat jeder eine eigene Philosophie und seinen eigenen Stil. Darum kann man im Regelfall auch nicht pauschal von „richtig“ oder „falsch“ sprechen. Leider kommt es dennoch vor, dass Einsteiger Tipps bekommen wie „du musst das so machen“ oder „du musst genau da stehen damit deine Fotos was werden“. Damit wird ein kreativer Prozess schon von vornherein unterbunden. Jeder Anfänger sollte seine Erfahrungen mit unterschiedlichen Bedingungen machen und für sich abstecken, wie er seine Ergebnisse umsetzen will. Und wie gesagt, innerhalb dieses Prozesses legt man dann die Messlatte an sich selbst automatisch höher.

Kommen wir aber nun zum eigentlichen Einsteigerguide – und nicht vergessen: Auch wenn wir euch hier einen Leitfaden an die Hand geben - Findet euren Weg und probiert alles aus was euch in den Sinn kommt. Das hier Geschriebene ist nicht in Stein gemeißelt, sondern soll euch zu Beginn nur ein paar wichtige Themen näherbringen.

 

Benötigte Ausrüstung:

Wie eingangs erwähnt müsst ihr euch keinesfalls teures Profiequipment zulegen, um zufriedenstellende Bilder zu machen. Es geht ja erst einmal darum, sich mit dem Thema vertraut zu machen und Gefallen daran zu entwickeln. Da tun es durchaus auch die Einsteigerkameras der bekannten Hersteller. Genauso verhält es sich mit den Objektiven. Viele Hersteller bieten für Einsteiger passende Sets an, in denen ein Kamerabody und ein bis zwei Objektive enthalten sind. Damit könnt ihr dann direkt durchstarten. Wollt ihr direkt in das Thema Spotting einsteigen empfiehlt es sich, ein Objektiv zu besitzen, welches den Brennweitenbereich 100-300mm abdeckt. Damit könnt ihr viel experimentieren und kommt auch für kleines Geld schon recht nah an die Flugzeuge ran. Spart euch das Geld für ein Stativ, das werdet ihr für dieses Fotovorhaben nicht brauchen bzw. in den meisten Fällen auch gar nicht sinnvoll einsetzen können. Ein bis zwei Ersatzakkus und eine Speicherkarte mit mindestens 32GB und ihr könnt schon einen ganzen Tag an einem Flugplatz verbringen und drauflos knipsen.

Die Anzahl der MP (Megapixel), also die Qualität der Bildauflösung, ist am Anfang erst einmal noch gar nicht so entscheidend, hier reichen Kameras mit 20MP völlig aus. Grundsätzlich sollte man beim Einstieg in die professionelle Fotografie gewissen – im Consumerbereich gebräuchlichen – Begriffe keine allzu große Beachtung schenken. Beispielweise wird im Kompaktkamera-Segment regelmäßig versucht, Konsumenten mit einem „x-fach Zoom“ zu beeindrucken. Dieser Zoom bezeichnet lediglich das Verhältnis zwischen minimal und maximal verfügbarer Brennweite. Beispielweise würde ein Objektiv mit einem Brennweitenbereich von 10 bis 100mm einem 10-fach Zoom entsprechen. Wirbt ein Hersteller nun zum Beispiel mit 40-fachem Zoom klingt das erstmal großartig – aber man findet selten auf Anhieb Informationen über den abgedeckten Bereich. Dieser könnte in diesem Fall bei 5 bis 200mm liegen. Und das würde dann so gerade die Mindestanforderung an die Brennweite abdecken, wenn ihr damit effektiv spotten wollt. Ihr kommt also um eine konkrete Information, welcher Bereich mit einem Objektiv abgedeckt werden kann, nicht herum. Und Gott sei dank ist es im professionelleren Segment auch üblich, dieses ohne Umschweife anzugeben, meistens sogar im Namen selber.

Blende, Verschlusszeit und ISO:

An dieser Stelle tauchen wir schon recht weit in die Materie ein. Grundsätzlich verfügen die meisten Kameras über Automatikmodi, die einen mehr oder weniger großen Anteil der Entscheidungen für euch treffen können. Das kann am Anfang noch ganz bequem sein, steht irgendwann aber wahrscheinlich eurer Kreativität oder euren Vorstellungen im Weg – denn die Kamera passt bestimmte Werte unter Umständen auf eine Weise an, die nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Gerade bei sich schnell bewegenden Objekten kann es durchaus passieren, dass die Kamera die Belichtungszeit zu lang wählt, weil sie ganz einfach nicht weiß was genau ihr fotografieren wollt. Hier helfen wie erwähnt Automatikprogramme, die euch einen Teil der Einstellungen festlegen lassen und die anderen Werte nach eigenem Ermessen anpassen. So könnt ihr zum Beispiel Bewegungsunschärfe recht effektiv verhindern.

Wer ein tiefergreifendes Verständnis für die genannten drei Begriffe entwickelt hat, der hat festgestellt, dass Alle einen deutlichen Einfluss auf die Helligkeit und die Erscheinung des Bildes haben. Hier lässt sich als erstes Fazit festhalten: Je mehr Licht, desto mehr Spielraum habt ihr bei der Auswahl der Einstellungen. Wenig Licht (beispielweise durch dunkle Wolken oder Dämmerung) zwingt euch beim Fotografieren ohne Stativ in bestimmte Bereiche, die möglicherweise irgendwann nicht mehr ideal sind.

Aber fangen wir noch etwas weiter vorne an, denn dieser Einsteigerguide soll euch ja dabei helfen, dieses tiefergreifende Verständnis zu entwickeln.

Betrachtet man die Blende, die Verschlusszeit und den ISO einmal zusammen, kann man ganz einfach feststellen: Eine Anpassung aller Werte in die eine oder andere Richtung beeinflussen die Helligkeit des Bildes:

  • Vergrößere ich die Blendenöffnung (KLEINERE Blendenzahl), erreicht mehr Licht den Sensor und das Bild wird heller. Ein Blendenwert (bezeichnet als „F“) von 4 bedeutet eine weiter geöffnete Blende als ein Wert von 8. Verkleinere ich also die Öffnung von 4 auf 8, wird das Bild merklich dunkler. Allerdings verändern sich bei einem höheren Blendenwert auch andere Faktoren wie z. B. die Tiefenschärfe, Randschärfe etc. (Dazu später mehr). Ein niedriger Blendenwert ist also nicht automatisch besser, nur weil er mehr Licht einfallen lässt.
  • Ändere ich die Verschlusszeit, hat das ebenso Einfluss auf die Helligkeit, denn ich definiere den Zeitraum, über welchen Licht auf den Sensor einfallen kann. Dieser Zeitraum kann sich von mehreren Minuten (bei Langzeitbelichtungen) bis zu 1/8000stel (je nach Kamera) Sekunde bewegen. Hier ist wichtig, dass ihr euch im Klaren seid, dass ihr es meistens mit schnell beweglichen Objekten zu tun habt, ihr solltet also eine möglichst kurze Belichtungszeit wählen. Allerdings würde euch eine viel zu kurze Zeit wiederum zu viel wertvolles Licht „stehlen“, weswegen man Zeiten von 1/800stel bis 1/1000stel Sekunde als gute Mittelwerte annehmen kann. Aber auch hier gilt: Probiert ruhig auch mal andere Werte aus und schaut euch die Ergebnisse an. An dieser Stelle gibt es aber gerade im Bereich Propellermaschinen oder Hubschrauber eine Besonderheit: Würdet ihr ein Propellerflugzeug mit 1/1000stel Sekunde fotografieren, dann stehen die Propeller nahezu völlig still, die Maschine scheint in der Luft zu stehen. Hier bietet sich eine niedrigere Belichtungszeit an, um die Propellerbewegung und damit eine gewisse Dynamik einzufangen. Das ist allerdings ebenfalls Geschmackssache. Einige Spotter gehen in Sachen Schärfe lieber auf Nummer sicher und verzichten auf die Bewegungsdarstellung. Andere gehen unter Umständen ein größeres Risiko ein, wenn sie eine möglichst auffällige Bewegung darstellen wollen, weil es durchaus passieren kann, dass das Flugzeug dann komplett unscharf eingefangen wurde. Hier empfehlen wir Beginnern, sich einmal von 1/250stel Sekunde an heranzutasten und die Zeit Schritt für Schritt zu verlängern. Und wer Herausforderungen mag: Je nach Flugzeug sind scharfe Bilder mit mehr als 1/30stel Sekunde durchaus möglich…
  • Der dritte Wert, die Empfindlichkeit (ISO) hat ebenfalls einen Einfluss auf die Helligkeit. Dieser Begriff stammt noch aus der analogen Fotografie und bezeichnete dort die Empfindlichkeit des eingelegten Filmes. Je nach ISO-Wert brauchte der Film mehr oder weniger Zeit, um ein Foto mit gleicher Helligkeit „einzubrennen“. Das Prinzip ist in der digitalen Fotografie noch ähnlich. Der ISO-Wert ist meist von 100 bis (bei professionellen Kameras) weit über 100.000 wählbar. Bei hohen Werten bekommt man dementsprechend hellere Bilder, erkauft sich diese aber mit einem immer stärker werdenden „Rauschen“, was grundsätzlich im Digitalen einem nicht ausgleichbaren Qualitätsverlust darstellt. Hier können wir uns also merken: „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“. Wenn ich genug Licht habe, dann bringt ein ISO von 100 oder 200 den geringstmöglichen Qualitätsverlust. Wirklich sichtbar wird ein ISO-Wert erst ab ca. 1000, bei Vollformatkameras hat man noch etwas mehr Spielraum. Das heißt aber natürlich nicht, dass ein ISO von mehr als 1000 völlig tabu ist, denn wie schon erwähnt: Wenn es einfach nicht genug Licht gibt und ihr die anderen Werte so weit angepasst habt wie möglich, dann schraubt den ISO-Wert so hoch wie es nötig ist. Besser ein kleiner Qualitätsverlust als ein unscharfes Bild oder eine schwarze Silhouette.

Wenn ihr nun ein gewisses Verständnis für diese Zusammenhänge entwickelt habt, könnt ihr euch nach und nach vortasten, um für euch optimale Einstellungen zu finden. Das kann so weit führen, dass ihr wirklich alle relevanten Werte unter Kontrolle haltet. Hier müsst ihr dann aber unter Umständen sehr schnell analysieren, um daraufhin die richtige Entscheidung zu einer gegebenenfalls nötigen Korrektur zu treffen. Merkt ihr beispielweise, dass ein schnell anfliegendes Flugzeug zu dunkel abgebildet wird, während ihr schon begonnen habt zu fotografieren, müsst ihr einen der Werte sofort anpassen. Aber habt ihr in der Belichtungszeit noch genug Spielraum, ohne dass das Bild unscharf werden könnte? Ist der ISO noch in einem vertretbaren Bereich und wieviel müsste dieser erhöht werden? Ihr müsst also innerhalb einer Sekunde bewerten, mit welchem Wert ihr am besten euer Ziel erreicht und diesen dann noch einstellen und bestenfalls verifizieren. Das klingt jetzt erstmal unglaublich anspruchsvoll, aber mit der Zeit und entsprechender Praxiserfahrung könnt ihr auch durchaus dazu in der Lage sein. Und bis dahin behelft euch ruhig mit einer gewissen automatischen Unterstützung, die euch ein paar dieser Entscheidungen abnehmen kann.

Nun haben wir das Thema Helligkeit ein wenig ausführlicher betrachtet. Aber ohne eine ganz wichtige Funktion der Kamera bzw. des Objektivs führt beim Spotting in der Regel kein Weg vorbei: Jetzt geht es um den Autofokus.

Doch wofür brauchen wir diese Funktion eigentlich so dringend?

Wie schon an mehreren Stellen erwähnt, ist uns klar, dass wir uns beim Spotting mit sich schnell bewegenden Objekten zu tun haben. Diese haben in den allermeisten Fällen eine ständig abweichende Distanz zu euch und eurer Kamera. Das bedeutet, dass ihr für jedes Bild den Fokus neu anpassen müsstet (und das bei möglicherweise mehreren Bildern pro Sekunde) während sich das Flugzeug nähert oder entfernt. Prinzipiell ist das möglich, aber ihr würdet mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kaum scharfe Bilder zustande bringen, wenn ihr nicht über sehr viel Erfahrung verfügt oder einfach einen Glückstreffer landet. Auch hier kann uns aber ein Tool sehr effektiv unterstützen…

Der Autofokus sorgt nämlich selbstständig dafür, dass das Bild beim Auslösen in einem vorher definierten Bereich scharfgestellt ist. Auch hier unterscheiden sich die Möglichkeiten von Einsteiger- und Profikameras, aber auch Einsteiger haben schon vielfältige Möglichkeiten. Ihr könnt beispielweise immer genau die Bildmitte als Spot definieren und darauf fokussieren lassen. Oder ihr definiert einen völlig beliebigen anderen einzelnen Punkt oder sogar einen ganzen Bereich. All das lassen moderne Kameras ohne weiteres zu. Zu Beginn ist die Spotmessung eine ganz gute Wahl, solange ihr euer Flugobjekt immer in der Mitte des Bildes halten könnt. Aber auch hier könnt und solltet ihr durchaus mal experimentieren und die Auswirkungen einzelner Einstellungen kennenlernen.

Viele Objektive bringen in Form des Stabilisators noch eine weitere Funktion mit, welche uns in manchen Situationen hilfreich sein kann. Entgegen mancher Meinung ist ein Stabilisator keine Grundvoraussetzung für gute Bilder beim Spotting. Wenn man mit Belichtungszeiten von beispielweise unter 1/1000stel Sekunde arbeitet, dann hat ein eingeschalteter Stabilisator keinen positiven Effekt mehr für die Schärfe des Bildes. Insofern kann man ihn für die klassische Jetfotografie vernachlässigen. Wollt ihr aber auch Hubschrauber oder Propellerflugzeuge mit Propellerdynamik (siehe weiter oben) erfolgreich ablichten, kommt ihr um einen „Stabi“ kaum herum. Wie bereits gesagt arbeitet ihr dann mit Geschwindigkeiten von 1/250stel Sekunde oder länger. Wenn ihr nicht eine unglaublich ruhige Hand besitzt, die auch noch funktioniert während sie Kamera und Objektiv in die Luft hält, solltet ihr darauf achten, ein Objektiv mit Stabilisator zu kaufen und diesen dann auch zu benutzen. Im Sprachjargon gängiger Hersteller wird der Stabilisator als „OS“ (Sigma - Optical Stabilisation), „IS“ (Canon - Image Stabilizer) oder VC (Tamron - Vibration Compensation) bezeichnet.

Damit ihr auch dauerhaft Spaß an eurer Kamera habt und diese auch immer zuverlässig arbeitet, solltet ihr sie regelmäßig reinigen. Gerade die erreichbaren Glaslinsen sollten frei von größeren Partikeln oder Flecken sein. Einzelne Staubkörner wird man i. d. R. auf dem Bild nicht erkennen können. Habt ihr größere Staubeinschlüsse innerhalb eures Objektivs, solltet ihr – spätestens wenn ihr diese im Bild erkennen könnt - über eine professionelle Reinigung im Service nachdenken. Gleiches gilt für das Innenleben der Kamera. Hier müsst ihr unterscheiden zwischen Verunreinigungen, die ihr nur im Sucher sehen könnt, aber nicht auf dem entstandenen Bild (das deutet bei Spiegelreflexkameras meist auf einen verunreinigten Spiegel hin) und solchen, die später im Bild sichtbar sind. Hier ist die Quelle oft auf dem Sensor zu finden. Doch Achtung! Den Sensor solltet ihr keinesfalls selbstständig versuchen zu reinigen, es sei denn ihr wisst ganz genau, was ihr tut und habt das richtige Werkzeug dazu. Die Sensoroberfläche ist unglaublich empfindlich und sehr schnell beschädigt, weswegen man immer Gefahr läuft, alles noch viel schlimmer zu machen. Lasst die Kamera besser bei einem Fotohändler in der Nähe professionell reinigen. Das kostet nicht die Welt, aber wird dort ordentlich gemacht. Solltet ihr durch eigenen Eingriff den Sensor beschädigen, werdet ihr das sehr deutlich auf den Fotos sehen können. Das sind dann im Regelfall irreparable Schäden, welche nur durch den Austausch des Sensors behoben werden können. Und dieser lohnt sich gerade bei Einsteigerkameras meist nicht, da eine komplett neue Kamera nicht viel teurer ist.

Wir haben nun die wichtigsten Themen angesprochen – ihr seid bereit loszulegen!

Wir werden diesen Guide mit Sicherheit immer mal wieder anpassen und erweitern. Lasst uns dazu gerne ein Feedback da, wenn etwas unklar ist oder ihr anderweitig Frage habt die euch beschäftigen. Wir haben versucht, uns so gut es geht an unsere Anfangszeit zurückzuerinnern, aber sicher erinnern wir uns nicht an alle Fragen und Probleme, die uns damals beschäftigt haben.

Zum Schluss haben wir noch ein paar Beispielbilder für euch, um anschaulich gewisse Sachverhalte darzustellen. Diese sollen allerdings nur als Beispiel dienen, nicht als „ich benutze jetzt einfach die angegebene Einstellung, dann passt das“…

Bild 1 – ISO100, F/11, 1/160sek

Hier soll der NH90 mit bewegten Rotorblättern im Flug eingefangen werden. Das Wetter war recht gut, weswegen wir dem Gesamtbild Helligkeit „klauen“ müssen, um die recht lange Belichtungszeit zu realisieren. Nicht wundern – der Heckrotor dreht sich schneller als der Hauptrotor, weswegen ihr dort immer mehr Bewegung erkennen werdet.

Bild 2 – ISO200, F/8, 1/160sek

Hier fangen wir die C-130 mit bewegten Propellern ein. Das Licht ist hier deutlich schlechter als in Bild 1, weswegen wir z. B. die Blende nicht extra schließen müssen.

Bild 3 – ISO250, F/8, 1/100sek

Bei rollenden oder stehenden Flugzeugen können wir mit deutlich längeren Verschlusszeiten arbeiten als in der Luft. Hier kommt es im Wesentlichen auf eine ruhige Hand und einen funktionierenden Stabilisator an. Die Belichtungszeit ist etwas länger als in Bild 2, weswegen sich die Propellerbewegung noch deutlicher zeigt.

Bild 4 – ISO100, F/20, 1/30sek

Hier seht ihr, was aus freier Hand bei guten Lichtbedingungen möglich ist. Das Flugzeug steht auf der Parkposition, also habe ich keine Eigenbewegung des Objektes zu berücksichtigen. Durch die lange Verschlusszeit müssen wir die Blende sehr weit schließen, um das Bild nicht zu stark zu belichten.

Bild 5 – ISO250, F/8, 1/200sek

Hier erkennt ihr den sogenannten „Mitzieh-Effekt“. Eigentlich wäre eine Geschwindigkeit von 1/200 Sekunde zu wenig um einen Jet scharf abzulichten. Folgt ihr aber mit eingeschaltetem Stabilisator gleichmäßig der Bewegung des Flugzeugs vor einem kontrastreichen Hintergrund, könnt ihr zeitlich einiges herausholen und bekommt eine gut sichtbare Bewegungsdynamik ins Bild.

Bild 6 – ISO100, F/8, 1/250sek

Ein Beispiel für das Fotografieren mit Gegenlicht. Der Hintergrund leidet natürlich unter dem starken Lichteinfall, aber das Objekt ist dennoch gut einzufangen wenn man die richtigen Einstellungen wählt

Text und Bilder: Sebastian Blind